wie geht es euch?

wie geht es euch?

„wie geht es euch?“ werden wir in letzter zeit immer wieder gefragt. es ist schön, dass wir die sorgen um unser wirtschaftliches überleben während und nach dem lockdown teilen können. aus heutiger sicht sieht es bei uns ganz gut aus aber dazu ein anderes mal. „wie geht es euch?“ haben wir unsere produzentinnen rund um den globus gefragt und die lage in vielen kaffee produzierenden ländern ist besorgniserregend. einmal mit blick auf die ohnehin wesentlich schlechter aufgestellte medizinische versorgung. ein weiteres mal mit blick auf drohenden wirtschaftlichen folgen der pandemie.

die covid-19 auswirkungen auf die kaffeeproduktion

gemeinsam mit unseren importpartnern von roasters united stehen wir in regelmäßigm kontakt zu unseren partnerkooperativen. in der aktuellen situation lassen sich unsere partner in zwei gruppen betrachten. die einen stehen unmittelbar vor oder schon mitten in der jährlichen ernte. kaffee muss gepflückt, verarbeitet, getrocknet, sortiert werden. das ist in ausnahmslos allen anbauländern in erster linie manuelle arbeit. in brasilien, dem mit abstand größten kaffeeproduzenten weltweit, ist der kaffeeanbau stark mechanisiert. schätzungen zufolge erfolgt selbst dort 70% der ernte händisch und finden 2 millionen erntehelferinnen arbeit. letztere reisen überwiegend in bussen aus anderen bundesstaaten in die kaffeezentren in minas gerais, sao paulo oder espirito santo. die reisemöglichkeiten in brasilien sind aufgrund der pandemie jedoch stark eingeschränkt. einmal in den farmen angekommen, stellen sich erneut fragen wie social distancing in den unterbringungen und bei der arbeit eingehalten werden kann. vielerorts werden deshalb deutlich weniger arbeiterinnen bei der ernte beteiligt sein als in den jahren zuvor. die entscheidung was, wann und wie geerntet wird, wird daher nicht immer mit blick auf den optimalen reifezustand der kaffeekirschen erfolgen. manches wird zu früh, zu spät oder gar nicht geerntet werden können. wie sich das effektiv auf den ernteertrag, auf die qualität und damit auf die wirtschaftliche lage der produzentinnen niederschlägt ist noch nicht absehbar. grundsätzlich wurde dieser jahrgang nach gutem witterungsverlauf sowohl in qualität als auch der menge als sehr gut prognostiziert.

ähnlich sind die herausforderungen auch in anderen ländern südamerikas wo die ernte gerade begonnen hat. peru, kolumbien, ecuador. vielerorts ist die abhängigkeit von erntehelferinnen stark und ihre verfügbarkeit durch reisebeschränkungen zugleich eingeschränkt. der dadurch entstandene wettbewerb um arbeitskräfte mag einen positiven effekt auf die entlohnung haben, zugleich besteht die gefahr dass große ernteausfälle gerade farmen von mittlerer größe hart treffen. ihnen fehlt die finanzielle kraft der großen farmen, zugleich sind sie zu groß um in der familie oder nachbarschaft ausreichend arbeitsunterstützung zu finden. laut einer umfrage rechnen drei viertel der kaffeeproduzentinnen in diesen ländern mit ernteausfällen durch covid-19. in peru und kolumbien rechnet ein drittel mit ausfällen von mehr als 10%. einige wenige prozent weniger ertrag können aber bereits entscheidend sein, ob das jahr mit gewinn oder verlust abgeschlossen wird. zudem werden die produktionskosten durch höheren logistischen aufwand und corona schutzmaßnahmen steigen. und das bei einer nun schon mehr als zwei jahre anhaltenden preiskrise im kaffeesektor.

marcos croce von der fazenda ambiental fortaleza (faf) in mococa, sao paulo, wo unseren bob-o-link wächst konnte uns entwarnung geben. auf der faf selbst arbeitet ein team über das ganze jahr und in den partnerbetrieben in der region kann man sich gegenseitig helfen, sodass sie nicht auf externe arbeitskräfte angewiesen sind. unsere partner coopfam im angrenzenden bundesstaat minas gerais sind aufgrund ihrer struktur zum glück auch nicht stark betroffen. die farmen sind klein und werden von familien bewirtschaftet. hier wird auch die aufbereitung (trocknung) auf den farmen erledigt und so ist man weitgehend unabhängig von etwaigen arbeitseinschränkungen auf ebene der kooperative. für uns nicht abzuschätzen ist jedoch die lage in peru bei unserem partner cenfrocafe. wir hören, dass große anstrengungen unternommen werden um arbeitskräfte lokal zu mobilisieren. traditionell gibt es auch hier eine große bewegung von arbeiterinnen zur erntezeit in die kaffeeregionen, die dieses jahr unmöglich erscheint. und eine stabilisierung der lage ist längst nicht in sicht.

ernte geschafft. und jetzt?

die andere gruppe in dieser betrachtung hat die jährliche ernte und aufbereitung der kaffees gerade abgeschlossen und ist dabei die kaffees zu verkaufen und zu versenden. in dieser situation finden sich unsere partner in indien, äthiopien, honduras oder auf sumatra wieder. wenn auch die covid-19 maßnahmen von land zu land unterschiedlich sind, so ist in all diesen ländern die arbeit der kooperativen, der behörden, der logistikunternehmen bis hin zu den häfen stark eingeschränkt. selbst wenn theoretisch die wege für den warentransport offen sind, so fehlt es durch arbeits- und ausgangsbeschränkungen an personal für die abwicklung der exporte. von vielen ländern hören wir auch, dass die verfügbarkeit von containern in den häfen eingeschränkt ist. zudem haben auch die meisten schifffahrtsunternehmen auf den weltweit reduzierten warenhandel reagiert und routen gestrichen oder verkürzt. eine verzögerung des exports ist daher in all diesen ländern sehr wahrscheinlich bzw. schon eingetreten. kaffee verdirbt nicht, zumindest verliert er nicht so schnell an qualität, dass ein, zwei monate längere lagerhaltung ihm schaden würden. die kaffees die wir als kaffeefabrik aus diesen ländern einkaufen sind auch schon lange bezahlt, sodass ein verzögerter export die produzentinnen nicht in ihrer liquidität trifft. das gilt jedoch für viele verträge im kaffeesektor nicht. kaffee wird oft erst bezahlt wenn er tatsächlich verschifft wird. und nicht eingehaltene liefertermine bieten käufern die möglichkeit von ihren verträgen zurückzutreten. dies fügt einen weiteren unsicherheitsfaktor hinzu. auch wenn die kaffees also geerntet und fertig aufbereitet sind, stehen die produzentinnen immer noch vor großen herausforderungen.

unser reserven

in der kaffeefabrik kalkulieren wir unsere einkäufe aber so, dass die „alte“ ernte beim eintreffen der neuen möglichst punktgenau verbraucht ist – natürlich mit sicherheitspolster. heuer ist es aber nicht auszuschließen, dass unsere reserven bei manchen kaffees die verzögerung der neuen ernte nicht kompensieren können. tatsächlich sind unsere vorräte so gering wie schon lange nicht mehr. das heißt einzelne sorten werden kurzfristig nicht lieferbar sein. wir haben aber immer was passendes für jeden geschmack gefunden. heute am 14. mai haben wir die bestätigung bekommen, dass unser super-robusta aus indien endlich im container ist. eigentlich sollte er aber schon in europa sein. wird sich nicht ausgehen – das wissen wir schon jetzt. unser honey und natural von der combrifol kooperative in honduras wird am 6. juni in hamburg erwartet. das ist fast pünktlich, da haben wir uns bloß beim einkauf verschätzt. der honey ist ja schon länger aus. unser äthiopier von der taramesa und schilicho kooperative sind auch verspätet, da wird unser vorrat aber gerade noch reichen. hier in unserer rösterei in simmering versuchen wir auf jeden fall jeden tag so viel kaffee wie möglich zu trinken, um bald wieder viel von unseren partnern im süden nachkaufen zu können.

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